Ethnomedizin

Völker

Ethnomedizin ist ein Sammelbegriff für die alte Medizin, die noch bis heute von den Naturvölkern der Erde praktiziert wird. Hierzu gehören z.B. die Kunst der Medizinmänner und -frauen Nordamerikas, das alte Wissen der KräuterheilerInnen Europas, der Ayahuasceros Südamerikas und Schamanen Sibiriens, die Traditionelle Heilkunst Asiens, sogar die "Knochenbrecher" Ostfrieslands. Auch das allgemeine Stammesleben der Urvölker mit ihrer ausgeprägten Ritualistik und das beinahe ausgestorbene oder rudimentäre Wissen unserer Vorfahren, der Kelten, Germanen, Römer, Etruskern und Slawen können wir dazuzählen. Wir finden in der Ethnomedizin neue (alte) Ansätze für Behandlung und Therapie, tiefere Betrachtungsweisen von Krankheit und Gesundheit, aber auch interessante Einsichten zur Natur, dem Leben und dem Sinn des Menschen.

Doch was haben diese längst ausgestorbenen oder weit entfernten Vorstellungen mit unserem modernen Leben zu tun. Das Wissen der Naturvölker und Steinzeitmenschen geht uns mehr an, als wir vielleicht denken. Der Mensch lebt seit 3 Millionen Jahren. Seit 10.000 Jahren gibt es Ackerbau und die Menschen sind sesshaft geworden. Seit 200 Jahren gibt es das Schulsystem. Seit 100 Jahren die Krawatte. Mit dem modernen Wissen ist der Mensch seit ca. 50 Jahren daran, unseren Planeten völlig zu vergiften, auszubeuten und damit sich selbst die Lebensgrundlage zu kappen. Unsere kulturellen Wurzeln gehen tief und unsere Urgeschichte hat uns grundsätzlich geprägt. Der Mensch kann es sich nicht leisten, diese, sein Wesen bestimmende Prägung zu ignorieren und von seinem spirituellen Hintergrund, der Erde und der Natur abzusondern, ohne dem allgemeinen Wahnsinn, der zur Zeit als Normalität gelebt wird, zu verfallen. Archaische, naturbezogene Ideen und Vorstellungen haben in unserer Gesellschaft ihren Platz verloren und gerade heute brauchen wir sie mehr denn je!

Viele native Medizinmänner sind entsetzt, wenn man ihre heiligen Rituale nachahmt. "Findet eure eigenen Wurzeln wieder!" sagen sie und natürlich haben sie Recht damit. Nicht, dass es von mangelndem Respekt gegenüber anderer Kulturen zeugt, wenn wir versuchen Indianer oder Inuit zu spielen, sondern es zeugt von mangelndem Respekt uns gegenüber, unserem spirituellen und kulturellen Erbe und unserer Eigenständigkeit. Wer allerdings die Essenz der Techniken und Rituale der Naturvölker mit entsprechender Tiefe und Hingabe durchführt, kann sie nicht imitieren, er lebt sie und bringt sie in Resonanz mit den eigenen Wurzeln und so wird verschüttete Erinnerung wieder lebendig.

Unser indigenes Volksbrauchtum wie Volksmedizin, Sprachen, Märchen und Sagen, Jahresfeste, auch Aberglaube wurde in weiten Teilen Europas von den Kelten, Germanen und Römern geprägt. Aber es geht nicht darum, Kulturgeschichte besonders anschaulich darzustellen, oder wissenschaftlich korrekt die keltischen Götter mit richtiger Aussprache zu ehren, sondern es geht um lebendige Spiritualität, wie sie unsere Vorfahren einst in direktem Kontakt zu ihrer Umwelt erlebten, und wie wir sie heute, in unserem Umfeld, in unserer Natur und unserer Schöpfung vorfinden. Nur so werden wir Hüter des Feuers und nicht die Bewahrer der Asche.



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